NABU Greifswald · Markt 25 · 17489 Greifswald

 

Pressemitteilung

 

Naturschutzbund Deutschland e.V.

 

Kreisverband Greifswald

Markt 25

17489 Greifswald

 

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Greifswald, den 18.09.01

 

Zum Thema „Strandaufspülung“

 

 

Die Informationen, die in letzter Zeit von verschiedenen „verantwortungsvollen“ Informanten über die Problematik der Strandaufspülung in verschiedenen Küstenbereichen der Bodden- und Ostseeküste verbreitet werden, bedürfen der Objektivität halber einiger Korrekturen. Im Zusammenhang mit den Umbauarbeiten des ehemaligen Auslaufkanals des KKW in Lubmin in ein großes Hafenbecken fallen offensichtlich große Mengen (1,5 Mio. Kubikmeter) von auszubaggernden und zu entsorgenden Mengen von Sand an. Dieser wurde als „Geschenk“ an die Landesregierung für Strandaufspülmaßnahmen deklariert, womit eifrige Aktivitäten zur Verplanung des überflüssigen Sandes ausgelöst wurden. Hierzu ist zunächst folgendes anzumerken:

 

 

Die Ostseezeitung hat sich mehrfach mit der Begründung der Unbedenklichkeit der Verwendung des Lubminer Sandes für Strandaufspülungen beschäftigt (OZ am 12. und 15.9.2001). Der NABU will an dieser Stelle zur Versachlichung der Informationen beitragen. Bekanntermaßen hat der NABU erfolgreich Protest gegen die Verlegung des Grabens 60, der für „normale“ Entwässerungsarbeiten auf dem Gelände der EWN genutzt wurde und benutzt werden soll, eingelegt. Die Umverlegung des Grabens wurde zunächst mit dem Ausbau des Auslaufkanals zum Hafenbecken begründet. Da diesbezüglich noch keine Genehmigung vorliegt, hat der NABU gegen diese Begründung protestiert. Daraufhin wurde dem NABU die tatsächliche Begründung für den Neubau des Entwässerungsgrabens offeriert: Der alte Graben 60, der in unmittelbarer Nähe des Auslaufkanals liegt, ist teilweise durch die Ableitung von radioaktiven Abwässern kontaminiert. Gleichzeitig wurde die Übergabe der diesbezüglichen Unterlagen über alle Messergebnisse verweigert. Daraufhin hat der NABU über die zuständigen Gerichte den Baustopp für den Neubau und die damit im Zusammenhang stehende Abholzung eines Teils des Lubminer Waldes erwirkt, dieweil erstens eine technische Lösung zur Entsorgung der Abwässer ohne Nutzung des Grabens 60 durch Pumpsysteme und damit ohne Gefahr der Einspülung der Kontamination in den Bodden existiert und praktiziert wird, und zweitens, weil dem NABU die Beteiligungsrechte im Sinne des Vorenthaltens relevanter Informationen über die Ursachen und den Umfang der radioaktiven Verschmutzung verweigert wurden.

 

Mittlerweile hat der NABU entsprechend den richterlichen Entscheidungen umfangreiche Informationen über die Ursachen und den Umfang der radioaktiven Belastung des Grabens 60 im Rahmen des Beteiligungsverfahrens der Naturschutzverbände erhalten. Aus diesen geht hervor, dass an mehreren Messstellen die Freimessungsgrenzen, die für eine unbedenkliche Verwendung des Grund und Bodens vom Umweltministerium festgelegt wurden,  vor der Sanierung um ein Vielfaches und an einzelnen Stellen um mehr als 5000% überschritten waren. Diese radioaktive Belastung trat auch auf den Flächen neben dem Graben 60 auf, wohin offensichtlich ausgebaggerte Schlämme aus dem Graben 60 „ausgelagert“ wurden. Niederschläge haben die Kontamination in tiefere Bodenschichten transportiert. In Kenntnis dieses Zustandes hat die Umweltministerium ein teures Programm der Entsorgung des belasteten Grund und Bodens eingefordert, was bis zum heutigen Tage noch nicht abgeschlossen ist, wie aus den letzten, dem NABU übergebenen Messergebnissen folgert.

 

Insgesamt stehen die EWN noch vor einem umfangreichen Programm der Freimessung des gesamten Geländes, die Ergebnisse werden zur Zeit erfasst und ausgewertet. Um so mehr sind die Stellungnahmen der Informanten der Bevölkerung (Professoren und Leiter des StAUN- was eigentlich Staatliches Amt für Umwelt und Natur entschlüsselt heißt und dem Umweltministerium zugeordnet ist) erstaunlich, denen man möglicherweise diese Informationen vorenthalten hat, oder die in Kenntnis der Informationen diese unterdrückt haben. Besonders unhaltbar und unentschuldbar ist die Behauptung des Leiters des zuständigen StAUN’s, Dr. Loeck, der seine Ablehnung der Verwendung des Lubminer Sandes „mit der Furcht, dass Fremde (radikale Atomkraftgegner?) radioaktive Stoffe in den Sand einbringen könnten“ (Zitat OZ vom 15.9.2001) begründete.

Die entsprechenden Unterlagen, die die Kontamination des Grund und Bodens im Bereich des Graben 60 belegen, liegen dem NABU vor und können von Entscheidungsträgern der öffentlichen Hand beim Umweltministerium eingefordert werden.

 

Der NABU schließt nicht aus, dass nach Abschluss der Entsorgungsarbeiten und des Verbringens der belasteten Bodenschichten auf Deponien eine Freimessung des Sandes erreicht werden kann. Der vollständige Nachweis hierfür steht allerdings noch aus.

 

 

 

Kreisverband Greifswald